Time to say goodbye. Nachdem die Bundesregierung per Gesetz der Plastiktüte endgültig den Garaus gemacht hat, ruft sie dem ebenso praktischen wie umweltschädlichen Alltagshelfer in einer Werbekampagne ein launiges „Lebewohl“ hinterher. Kann man machen, geht aber besser. Statt der Plastiktüte tränenreich nachzuweinen und Nostalgiegefühle für den „Inbegriff der Ressourcenverschwendung“ (Bundesumweltministerin Svenja Schulze) zu wecken, könnten die finanziellen Ressourcen besser eingesetzt werden – zum Beispiel für die Aufklärung über ökologische Alternativen. Das heißt: Wir brauchen keine Abschiedsgrüße für Plastik, sondern ein freundliches Hallo für Wellpappe.

So sieht es wohl aus, wenn die Politik sich selbst auf die Schulter klopft. Unter dem Motto „Nein zur Wegwerfgesellschaft“ verkündet die Bundesregierung mit einer Abschiedskampagne das Ende der Plastiktüte in Deutschland und geht in der Online-Werbung auf regionale Unterschiede ein: „Tschüssikowski“ heißt es auf berlinerisch, auf bayrisch „Pfiat di“ und auf kölsch „Maach et joot“. Die Bürger sollen mit der Kampagne Zeit bekommen, sich von einem langjährigen Alltagsbegleiter zu verabschieden und sich stattdessen mit neuen Alternativen anfreunden.

Leider sucht man solche Alternativen auf der Kampagnenwebsite vergebens. Dabei gibt es sie: Shopping-Bags und Einkaufskisten aus Wellpappe, die an den Ladenkassen Plastiktüten ersetzen. Die sind so stabil, dass man sie mehrfach verwenden kann, und umweltverträglich, weil sie überwiegend aus recyceltem Material bestehen und nach der Nutzung erneut vollständig recycelt werden. Also, liebe Bundesregierung, richte den Blick besser nach vorn als zurück. Bewirb die Zukunft mit dem Slogan „Ja zur Kreislaufwirtschaft“. Und heiße ökologische Verpackungsalternativen herzlich willkommen: Moin, Tach, Grüß Gott und Ei Gude, Wellpappe!

 

Bilder: Adobe Stock, Klingele, VDW