Richtig protestieren mit Wellpappe

Richtig protestieren mit Wellpappe

Ernste Anliegen humorvoll vermitteln, darin sind Demonstranten oft Meister. Warum sie auf die Straße gehen, tun sie auf Plakaten kund: „Make Earth cool again“ (Schüler für den Klimaschutz), „Lass die Sau raus“ (Biobauern gegen Massentierhaltung), „Rettet das #Neuland“ (YouTube-Nutzer gegen „Artikel 13“) und „Gegen Gift im Gras“ (Hanffreunde für den Öko-Landbau) – eingängige Parolen auf Wellpappenschildern sorgen für Aufmerksamkeit und öffentlichkeitswirksame Bilder. Wie man sich und seine Botschaft auf der Demo richtig in Szene setzt, dazu gibt es Tipps im Netz.

Für das Klima und gegen Plastik, gegen Fremdenhass und für das freie Internet: In Berlin gab es 2018 viereinhalbtausend Demonstrationen und Kundgebungen – das sind zwölf am Tag. Bei dieser Konkurrenz überhaupt wahrgenommen zu werden oder es sogar in die Medien zu schaffen, ist das Ziel erfahrener Protestler. Die „Kreaktivisten“ beispielsweise setzen eindeutig auf Wellpappenschilder: „Eine Demo bzw. deren Außenwirkung lebt nicht nur von Transpis (das sind Transparente, Anmerkung des Wellenreiters), sondern besonders auch von tragbaren Schildern. Diese können Messages und Bilder oft leichter vermitteln als zerknitterte und faltige Transpis (kein Spannbetttuch nutzen!), die gerade gegen Ende der Demo von den erschöpften Träger*Innen nur noch auf „Halbmast“ gehalten werden. Außerdem benötigt ein Schild im Gegensatz zum Transparent nur eineN AktivistIn.“

Und wie wird’s gemacht? Die Experten des „Hanfparade Deko-Teams“ zeigen auf ihrer Website in zehn Schritten, wie man ein „duftes, buntes Demo-Schild“ zaubert: Einfach zwei Wellpappenschilder auf eine Holzlatte nageln, vorher den Untergrund zwecks guter Lesbarkeit weißen und gut lesbar beschriften (Empfehlung: „Korrekturlesen“).

Die Globalisierungskritiker von Attac setzen vor allem auf Banner, Schilder gehen zur Not: „Wenn’s für ein Banner nicht mehr reicht, ihr flexibel sein möchtet oder einfach noch willige TrägerInnen übrig habt – dann macht doch Schilder. Das ist wunderbar einfach und sieht auf einer Demo gut aus.“ Was dagegen gar nicht so gut aussieht, ist die Bauanleitung für das „Attac-Schild im Hochformat“. Denn dort heißt es überraschenderweise: „Polypropylen-Hohlkammerplatte in DIN A2 besorgen.“ Na klar – und damit dann auf eine Umweltschutz-Demo gehen? Dabei sollten die ökologischen Vorteile der Wellpappe gegenüber Kunststoff auch in Aktivistenkreisen längst bekannt sein: nachwachsende Rohstoffe, vollständiges Recycling!

Der Wellenreiter meint: Wenn protestieren, dann richtig – mit Wellpappe.

By | 2019-05-03T12:03:24+00:00 03.05.2019|Wellenspitzen|0 Kommentare

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Wellenreiter
Der Wellenreiter surft auf aktuellen Trends aus den Bereichen Kunst, Design oder Technik. Alles was er dazu braucht, sind sein Board und Geschichten von Menschen, die Ideen Wirklichkeit werden lassen – und seien sie noch so verrückt. Dass die kühnen Designentwürfe, atemberaubenden Events oder kreativen Höhenflüge alle etwas mit Wellpappe zu tun haben, versteht sich von selbst. Schließlich vertraut der Wellenreiter dem natürlichen und vielseitigen Material. Vielleicht hast Du ja auch eine Story, die der Wellenreiter erzählen sollte. Dann schick sie ihm einfach, er freut sich drauf!

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