Fast alle finden Plastik doof. Verbraucher, Unternehmen, Einzelhändler, Online-Shops und natürlich Umweltschützer. Sogar Bischöfe propagieren „Plastik-Fasten“, nur der Kunststoffverband Plastics Europe sagt dazu verständlicherweise „Nein, danke!“. Doch zu Hause greifen die meisten Plastik-Kritiker wieder in den Kühlschrank, in dem die abgepackte Discounter-Wurst neben den eingeschweißten Paprikaschoten liegen. Dabei ignorieren sie konsequent den Kühlschrank-Magneten mit dem Lebenshilfe-Spruch „Nicht labern, MACHEN!“

Also machen – aber was? Mit dem Finger auf die anderen zeigen, die den meisten Plastikmüll ins Meer einleiten? Zu billig. Sich Umweltinitiativen anschließen, die das Einsammeln von Plastikmüll als unzeitgemäßen Blödsinn empfinden und stattdessen „Proteste am Rande des rechtsstaatlichen Rahmens“ befürworten? Lieber nicht. Plastikmüll vor einem Supermarkt aufhäufen, in dem man vorher eingekauft hat, wie es Aktivisten vor einem Tesco-Supermarkt in England getan haben? Sieht vielleicht gut aus, ist aber nur eine Variante vom Zeigefinger, der auf andere deutet.

Letztlich ist das alles oft nur Pose und Laberei. Der Wellenreiter bricht an dieser Stelle eine Lanze für diejenigen, die sich am Wochenende am heimischen Flussufer treffen, um Plastikmüll einzusammeln. Die den weggeworfenen Coffee-to-Go-Becher aufheben, auch wenn er nicht im eigenen Garten liegt. Die im Supermarkt Obst in der Papp- statt Plastikschale kaufen. Und die ihren Einkauf nicht in Kunststofftüten nach Hause tragen, sondern in einem Behälter aus nachwachsenden Rohstoffen, der vielfach zu verwenden und komplett recyclingfähig ist.

Plastikverzicht ist zwar ein Modethema, aber gleichzeitig eine Leistung, die jeder erbringen kann. Gerade hat ein Handelsforschungsinstitut herausgefunden, dass im Einzelhandel gilt: Plastik ist out, Pappe ist in. Diesen Trend kann jeder unterstützten, indem er entsprechend einkauft oder beim Marktleiter ökologische Verpackungen einfordert. Auch beim Online-Shopping: Einfach die Händler bevorzugen, die die Ware ohne Plastikpolster an die Haustür liefern – schließlich gibt es sinnvolle Alternativen, zum Beispiel aus Wellpappe. So geht „machen“.

 

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