Original oder Fälschung?

Original oder Fälschung?

Stein, Metall oder Holz – seit Jahrhunderten sind dies die Materialien, mit denen Bildhauer ihre Kunstwerke erschaffen. Doch der Brite Chris Gilmour setzt auf Wellpappe und begeistert mit seinen lebensgroßen Skulpturen verschiedener Alltagsgegenstände.

Ausschließlich mit Wellpappe und Kleber baut Gilmour die unterschiedlichsten Dinge des täglichen Lebens detailgetreu in Handarbeit nach. Ein deutsches Fernsehteam hat dem in Italien lebenden Bildhauer beim Nachbau eines Fahrrads über die Schulter geschaut. Wer sich das Video anschaut, bekommt ein Gefühl dafür, wieviel Geschicklichkeit und Geduld dahinter stecken – Gilmours Arbeiten bestehen aus bis zu 4.000 Einzelteilen und brauchen in der Regel drei bis sechs Monate, bis sie fertig gestellt sind. Schneller als mit Marmor geht das aber allemal, sagt Gilmour mit einem Augenzwinkern.

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Speichen, Pedale, Kette – alles ist bis ins kleinste Detail mit Wellpappe nachgebildet

Außerdem ist Wellpappe wesentlich leichter und in sehr viel größeren Mengen zu beschaffen als andere Materialien. Einen Großteil seines Bedarfs deckt der Bildhauer auf Spaziergängen durch seine Wahlheimat Udine: mit gebrauchten Wellpappenverpackungen aus dem Altpapier. Die Idee, dass die Verpackungen nach Erfüllung ihres ursprünglichen (Einsatz)zwecks zum Kunstwerk werden, gefällt Gilmour. Außerdem gebe ihm Wellpappe die Möglichkeit, mit leichtem Material den Eindruck von Schwere und Stabilität zu erwecken.

klavier

Stabile Leichtigkeit – wenn es aus Wellpappe ist, kann man ein Klavier auch einfach so an die Decke hängen

Zum Einsatz kommt für seine Skulpturen sowohl bedruckte als auch unbedruckte Wellpappe – und wenn ihm eine Verpackung im Supermarkt gefällt, kauft er sie, selbst wenn er gar nicht weiß, was er mit dem Inhalt anstellen soll.

Weltweit sind die Werke von Gilmour in Museen und Galerien zu sehen und zu kaufen. Die Reaktionen sind überall ähnlich: Das besondere Material überrascht und macht einfach Spaß. Vielleicht, vermutet Gilmour, liege das daran, dass Verpackungen so etwas wie ein gemeinsamer kulturübergreifender Nenner seien. Jedenfalls wirken die Skulpturen so echt, als seien die Objekte nicht nachgebaut, sondern in Pappe eingewickelt. Darum weist Gilmour auch schon einmal darauf hin, das Kunstwerk bitte nicht mit der realen Vorlage zu verwechseln. Der Hinweis „Bitte nicht einsteigen“ ist für Bond-Freunde und Auto-Fans besonders wichtig, wenn sie Gilmours Arbeit begegnen. Denn der bis hin zum Kugelfang am Heck nachgebaute „Goldfinger“ Aston Martin DB5 sieht einfach zu einladend aus.

Heck

Schaltung

Kennzeichen

Welllpappe für 007 – inklusive des richtigen Nummernschildes

Neben diesem Männertraum hat Gilmour auch noch andere Kfz-Klassiker nachgebaut – als Wahlitaliener natürlich auch Cinquecentos, Vespas und Lambrettas.

Fiat 500

Lambretta

Vespa

Forza Italia!

Zwar sind auch sie nicht fahrtüchtig, aber sollten sie doch einmal in einer italienischen Parklücke landen, wäre immerhin kein Blechschaden zu befürchten …. Und allzu stark ramponierte Modelle könnte man schließlich einfach recyceln.

Weitere Arbeiten von Gilmour gibt’s in diesem Film ….

… und auf seiner Website zu bestaunen.

Bilder: Chris Gilmour

By | 2017-05-19T17:29:50+00:00 04.02.2015|Kunst und Design|0 Kommentare

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Wellenreiter
Der Wellenreiter surft auf aktuellen Trends aus den Bereichen Kunst, Design oder Technik. Alles was er dazu braucht, sind sein Board und Geschichten von Menschen, die Ideen Wirklichkeit werden lassen – und seien sie noch so verrückt. Dass die kühnen Designentwürfe, atemberaubenden Events oder kreativen Höhenflüge alle etwas mit Wellpappe zu tun haben, versteht sich von selbst. Schließlich vertraut der Wellenreiter dem natürlichen und vielseitigen Material. Vielleicht hast Du ja auch eine Story, die der Wellenreiter erzählen sollte. Dann schick sie ihm einfach, er freut sich drauf!

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