Nicht neu, aber clever

Nicht neu, aber clever

In einigen Jahren will der Milliardär Elon Musk Güter und Personen in Hochgeschwindigkeitskapseln mit über 1.000 Stundenkilometern durch einen Vakuumtunnel, den Hyperloop, transportieren, der die amerikanischen Metropolen miteinander verbinden soll. In der Schweiz ist für die unterirdische Beförderung von Amazon- und Zalando-Paketen ein ausgeklügeltes Tunnelsystem zwischen St. Gallen, Zürich, Bern und Genf in der Planung. In Frankfurt setzt man weniger auf Science Fiction und bevorzugt praktikable Lösungen – wie die Logistiktram.

Die Idee dahinter: Eine Straßenbahn bringt die Pakete in die jeweiligen Stadtteile, wo sie über spezielle Mikrodepots an E-Bike-Kuriere verteilt werden. Der Charme dieses Konzepts liegt in der Nutzung vorhandener Ressourcen – die Bahn fährt ja schon – und einer effizienten Verzahnung verschiedener Transportmittel. Das liefert nicht so viele Schlagzeilen, hat aber entscheidende Vorteile: geringe Investitionen, gute Testmöglichkeiten, hohe Realisierungschancen. Güter auf der Schiene – das klingt nach einer altbekannten, aber sinnvollen Idee.

Visionen bringen uns voran. Aber sie können an der Realität scheitern. Vor noch nicht allzu langer Zeit sahen Experten die Zukunft der E-Commerce-Logistik nicht unter der Erde, sondern in den Wolken: Demnach sollten Flotten autonomer Paketdrohnen Bücher, Schuhe und Lebensmittel an die Haustüren liefern. Nach Lage der Dinge bleibt der Himmel frei, und die Logistikröhren in den Alpen und Nordamerika sind noch Zukunftsmusik.

Der Wellenreiter meint: mega ist gut, klein kann aber auch ganz schön clever sein! Die Idee der Logistiktram beispielsweise lässt sich einfach ausbauen. Warum sollte nicht jeder, der in die Innenstadt fährt, ein Paket von einem Warenlager vor den Toren der Stadt zu einem Straßenbahndepot bringen? Warum sollten nur Profis auf E-Bikes die Pakete austragen und nicht die Buchhalterin, die jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt? Oder Opa, der den Enkel aus der Kita abholt und noch schnell das Päckchen für den Nachbarn mitnehmen kann? Natürlich für Geld, Uber lässt grüßen.

Der Vorteil: Online-Shopping und Warenzustellung blieben mitten im Leben. Die Herausforderung wäre die Information und Disposition der Beteiligten – also das, was Logistik im Kern ausmacht. Auch in Zukunft. Wäre doch clever, oder?

 

Foto: F.A.Z.-Foto / Ricardo Wiesinger

By | 2018-10-30T13:49:45+00:00 30.10.2018|Wellenspitzen|0 Kommentare

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Wellenreiter
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