Nachgefragt

Nachgefragt

Mit Umfragen ist das so eine Sache. Spätestens seitdem Meinungsforscher einen Sieg für Donald Trump bei der amerikanischen Präsidentenwahl und den Brexit für fast unmöglich erklärt haben, ist Skepsis ratsam. Eine aktuelle Studie der namhaften Unternehmensberatung PwC zu nachhaltigen Verpackungen zeigt jetzt: Misstrauen ist auch bei Verbraucherumfragen angebracht. Der Studie zufolge wünschen sich nämlich 70 Prozent der Verbraucher, dass die online gekauften Waren künftig in Mehrwegboxen nach Hause geliefert werden. Auch eine Pfandgebühr von 2,50 Euro entrichteten die Verbraucher demnach gerne. Ja, wer glaubt denn das?

Das Gute bei anonymen Online-Umfragen wie dieser ist, dass es völlig egal ist, was man antwortet. Weniger Verpackung? Find ich gut. Kostet mehr? Macht nichts, die Umwelt ist es mir wert. Behaupten kann man vieles. Das Problem dabei ist allerdings, dass die meisten Befragten gar nicht wissen, worum es bei den Fragen geht. Es sei denn, sie haben sich mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Systeme beschäftigt. Laut Umfrage finden es 76 Prozent der Verbraucher wichtig, „dass es alternativ zum Pappkarton oder der Plastiktüte zukünftig ein Rücknahmesystem für Mehrweg-Versandverpackungen gibt, etwa in Form von Transportboxen.“ Aber was heißt das?

Das würde bedeuten, dass der Zusteller künftig in Kunststoffboxen, die es systembedingt nur in einer Einheitsgröße geben kann, jede Ware ausliefert – von der Heckenschere über den Handy-Kopfhörer bis zu den Zutaten für den Griechischen Salat. Bis er die Kiste beim nächsten Mal wieder mitnimmt, steht sie im Hausflur. Trifft er mich ein paarmal nicht an, schleppen die Nachbarn die Kisten zu mir. Der Stapel im Hausflur wächst mit dem Pfandbetrag, den ich den Nachbarn schulde. Aus den bekannten Lieferwagen werden Lkws, die ausreichend Platz für die großen Boxen bieten. Wenn es gut läuft, werden Millionen Kisten leer durchs Land gefahren, um gelegentlich gereinigt, sortiert, gezählt und geprüft zu werden. Die wirtschaftlichen Kosten für diesen Aufwand trägt der Verbraucher, die ökologischen trägt die Umwelt: Denn die zusätzlichen Transporte sind schlecht fürs Klima. Ob sich die Teilnehmer der Umfrage das so vorgestellt haben?

Zugegeben, die Zweifel werden bereits in der Einleitung der Studie geweckt. „Verpackungen liefern nur einen geringen Wertbeitrag“, steht dort. Hier reibt sich der Leser verwundert die Augen. Kann es sein, dass der vielfältige Nutzen, den eine gute Versandverpackung stiftet, den Studienautoren unbekannt ist? Über den optimalen Schutz, den Wellpappenverpackungen empfindlichen Elektronikgeräten, schönen Büchern oder hochwertiger Keramik bieten, über ihr geringes Gewicht, das einfache Recycling über den Altpapierkreislauf und nicht zuletzt den Spaß beim Öffnen freuen sich Milliarden Online-Shopper auf der ganzen Welt. Der Rat an die Autoren: Vielleicht doch noch mal nachfragen?

 

Bildnachweis: Fotolia

By | 2018-08-29T10:02:09+00:00 23.02.2018|Wellenspitzen|0 Kommentare

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Wellenreiter
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