Innere Werte für exklusive Äußerlichkeiten

Innere Werte für exklusive Äußerlichkeiten

Giles Miller geht Designfragen oberflächlich an – und das gefällt Hotelbetreibern ebenso wie Modeschöpferinnen. Der Brite ist Experte für Interior Design mit außergewöhnlichen Oberflächen. Dafür nutzt er von schimmernder Keramik über glänzendes Messing bis hin zu beweglichen Plastikhaaren die verschiedensten Materialien. Am bekanntesten ist er aber für seine Arbeiten aus Wellpappe, dem Material, mit dem für ihn alles begann.

Heute sind Millers Kreationen aus Wellpappe in Nobelkaufhäusern und exklusiven Hotelbars zu finden – seine Mission, dem vielseitigen und ökologischen Material die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen, war erfolgreich. Denn für den britischen Designer besitzt das allgegenwärtige Material ungeahnte ästhetische Qualitäten. Die Vielseitigkeit von Wellpappe entdeckte er während seines Möbeldesignstudiums. Als er eine stabile Laptoptasche brauchte, war es dann vollends um ihn geschehen: Die Tasche, die er aus Wellpappe entwickelte, überzeugte sowohl mit ihrer Stoßfestigkeit als auch mit ihrem Design. Auch die Umwelteigenschaften begeisterten Miller – und die stetig wachsende Gemeinde der Kunden, für die das Aussehen ihrer Produkte ebenso wichtig ist, wie deren Nachhaltigkeit. Auch sein Handtaschen-Modell war ein echter Öko-Hingucker.

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Stoß- und Stilsicher: Wellpappe als modisches Statement

Nach wie vor ist das positive Image der Wellpappe ein wichtiges Argument für Miller. Denn es unterstützt seinen Anspruch, mit seinen Werken auch Emotionen zu wecken. Die persönliche Beziehung der späteren Besitzer zu seinen Werken hat für ihn einen weiteren, spannenden Aspekt: Sie verlängert die Lebensdauer des vermeintlich kurzlebigen Materials erheblich. Diesem Gedanken folgt auch Millers Kollektion „Erbstücke“ mit Einrichtungsklassikern wie Großvaters Wanduhr oder antiken Kleiderschränken.

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Erbstück aus Wellpappe: die „Grandfather Clock“ von Giles Miller

Mittlerweile konzentriert sich der Designer mit seinem Giles Miller Studio auf innovative Oberflächen für Shop- oder Hotelprojekte. Für seine Kreationen aus Wellpappe sind vor allem die „inneren Werte“ des Materials wichtig: die Wellen. „Amazing“ nennt er ihre besondere Beschaffenheit, und so lassen sich auch die Effekte beschreiben, die er mit der gezielten Ausrichtung einzelner Wellen erreicht. Bei dieser Technik, die er „Fluting“ (Englisch für Wellenpapier) nennt, setzt er viele kleine Wellpappe-Streifen wie ein Puzzle aneinander. Die einzelnen Wellen benutzt er wie Pixel, um das gewünschte Muster zu kreieren. Der Clou dabei: Indem er die Laufrichtung der Wellen variiert, kann er beeinflussen, wie sich das Licht darin bricht und die Konturen des jeweiligen Musters treten stärker hervor.

Wenn man den fleißigen Händen in diesem Video dabei zusieht, wie sie die Wellen aneinandersetzen, um ein vier Meter hohes Wandbild herzustellen, muss man die Kreativität und die Geduld, die dahinter steckt, einfach bewundern!

Besonders faszinierend ist das „3-D-Fluting“, das sich aus dieser künstlerischen Puzzlearbeit entwickelt hat. Die Gäste der Met Bar im Londoner Metropolitan Hotel zum Beispiel speisen vor Tänzerinnen aus Wellpappe, die sich mittels vieler aus der Oberfläche hervorstehender Wellpappe-Streifen von der Wandoberfläche abheben.

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Attraktive Tänzerinnen aus Wellpappe unterstreichen das edle Ambiente in der Met Bar

Auch die fünf mal fünf Meter große Wellpappen-Installation, die Giles Miller für die Lobby des International House-Bürogebäudes in London kreiert hat, lebt von diesem Effekt – gut vorstellbar, dass die Mitarbeiter der dort ansässigen Firmen sich bei ihrem Anblick morgens gleich ein wenig inspirierter ins Büro begeben.

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Von weitem und von nahem beeindruckend: „3-D-Fluting“

Dass seine Arbeit das Potential für große Oberflächen hat, entdeckte Miller bei einem Auftrag für das Modelabel Stella McCartney. Das Team der umweltbewussten Designerin fragte noch während seines Design-Masterstudiums am renommierten Londoner Royal College of Art bei ihm an, ob er eine Wandoberfläche für ihren Pariser Store mit der „Fluting“-Technik kreieren könne. Wellpappe passt aufgrund ihrer guten Recyclingeigenschaften zur Marke, außerdem eignet sich Millers Technik besonders gut für die maßgeschneiderte Einarbeitung des gewünschten Motivs: einer galoppierenden Pferdeherde. Es blieb nicht bei dem einen Auftrag; mittlerweile zieren Millers Wellpappe-Oberflächen auch Stores der Marke in Texas oder Japan. Auch im Londoner Nobel-Kaufhaus Selfridges wurden Stella McCartney-Accessoires schon mit Wellpappe in Szene gesetzt.

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Viele kleine Teile, eine große Wirkung – Wellpappe bei Selfridges

Für einen Pop-Up-Store der Marke im exklusiven Pariser Einkaufstempel Galeries Lafayette „buchstabierte“ Miller den Vornamen der Designerin mit dreidimensionalen, eineinhalb bis zwei Meter hohen Wellpappe-Buchstaben. Besonders beeindruckend waren aber die mit Blattgold verzierten Podeste im „Fluting“-Design. Vergoldete Wellpappe – Giles Miller beweist, dass das Material mit der Welle mehr sein kann als braunes Verpackungsmaterial.

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Wellpappe als tragendes Element einer exklusiven Shopgestaltung

 

Bilder: Giles Miller Studio / Richard Corcoran; Luke Hayes; Petr Krejci

 

 

 

By | 2017-05-19T17:29:53+00:00 18.06.2014|Action und Lifestyle, Kunst und Design|0 Kommentare

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Wellenreiter
Der Wellenreiter surft auf aktuellen Trends aus den Bereichen Kunst, Design oder Technik. Alles was er dazu braucht, sind sein Board und Geschichten von Menschen, die Ideen Wirklichkeit werden lassen – und seien sie noch so verrückt. Dass die kühnen Designentwürfe, atemberaubenden Events oder kreativen Höhenflüge alle etwas mit Wellpappe zu tun haben, versteht sich von selbst. Schließlich vertraut der Wellenreiter dem natürlichen und vielseitigen Material. Vielleicht hast Du ja auch eine Story, die der Wellenreiter erzählen sollte. Dann schick sie ihm einfach, er freut sich drauf!

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