Du kaufst gern online und fühlst dich gut dabei? Schäm dich. Zu viel Verpackungsmüll, zu viele Lieferwagen, zu wenig Mehrweg und überhaupt ganz umweltschädlich, sagen Kritiker. Klar, Tante Emma war cool. Aber deswegen muss nicht alles, was bequem, einfach und zeitsparend ist, schlecht sein. Prüft man diese Vorbehalte gegenüber dem Online-Shopping in einem Faktencheck, wird schnell klar: Sie bestehen aus viel heißer Luft und wenig Substanz.

1. Vorwurf: Online-Shopping produziert Verpackungsmüll

Die Fakten: Der weitaus größte Teil der Versandverpackungen besteht aus Wellpappe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und vollständig recycelt wird. Bis zu 25 Wiederverwertungsprozesse sind möglich, wie Wissenschaftler jüngst herausgefunden haben. Verpackungen von Amazon, Zalando und Co. sind kein Müll, sondern ein wichtiger Rohstoff für die Papierindustrie, die daraus Papier herstellt, aus dem auch wieder neue Verpackungen gefertigt werden. Das nennt sich Kreislaufwirtschaft und ist das umweltpolitische Konzept der Zukunft.

2. Vorwurf: Die Fahrzeuge der Paketboten verstopfen die Innenstadt

Stimmt nicht, sagt der niederländische Professor für Stadtlogistik Walther Ploos van Amstel. „Keine europäische Stadt hat ein Verkehrsproblem wegen Paketzustellern. Nur sieben Prozent des gesamten Logistikverkehrs entstehen durch Paketzustellung, zwei Drittel dieser Lieferungen gehen an Geschäftskunden.“ Letztlich machen Transporter, die beispielsweise Schuhe nach Hause liefern, weniger als ein Prozent aller Fahrzeuge aus. Für das Verkehrsaufkommen und alle damit zusammenhängenden Probleme in der Stadt gilt: „Die Schuhe, die im Internet bestellt werden, sind nicht das Problem.“

3. Vorwurf: Es wird zu wenig Mehrweg eingesetzt

Tatsache ist, dass einige Online-Shops Mehrweg-Taschen und -Kisten testen – bislang mit mäßigem Erfolg. Die Behälter müssen nach dem Auspacken vom Empfänger wieder zum Versender zurückgeschickt werden. Wenn der Online-Shopper das mitmacht, reisen die Verpackungen schon mal zur Reinigung ins Baltikum, dann nach Finnland und von dort wieder zurück nach Mitteleuropa zum nächsten Umlauf. Offenbar haben die Entwickler dieses Konzepts eine ganz eigene Auffassung von „Mehrweg“ und „Kreislauf“. Öko-Experten dagegen halten diese Systeme für nicht praxistauglich. Und Laien wundern sich: Das soll umweltverträglich sein?

Grundsätzlich ist Online-Shopping in den meisten Fällen ökologischer als der „normale“ Einkauf – das hat das Umweltbundesamt gerade in seinem Bericht „Die Ökologisierung des Online-Handels“ („Kernaussage“, Seite 27) festgestellt.

Fazit des Faktenchecks: Online-Shopping darf weiter Spaß machen.