Fußball ohne Fans? Geht ja gar nicht, dachten sich die Anhänger von Borussia Mönchengladbach. Als die Bundesliga nach der Corona-Zwangspause wieder loslegte, ließen die Borussen-Fans als erste sogenannte „Pappkameraden“ mit ihren eigenen Konterfeis herstellen und belegten damit bis zu 20.000 Sitzplätze bei den Spielen. Die Idee trat den Siegeszug durch die Fußball-Stadien in Deutschland und vielen anderen Ländern an. In England können sich auch Rugby-Fans dafür begeistern, in China und Korea die nationalen Baseball-Ligen. Aber Achtung: Manche „Cardboard Cutouts“ sind gar nicht aus Pappe, sondern aus Kunststoff. Doch glücklicherweise ist die Mehrzahl dieser begeisterten Fans aus Wellpappe – echte Pappkameraden eben.

Die Ränge sind wichtig für Spieler, Fans und TV-Sender. Um eine möglichst originalgetreue Atmosphäre bei den Profispielen zu erzeugen, versuchen sich sogar einige Tüftler an Apps, die die Reaktionen der zu Hause gebliebenen Sportanhänger bündeln und über die Lautsprecher im Stadion hörbar machen sollen – wohl eher ein Fehlversuch. Einen echten Flop landete der FC Seoul. Der Verein erhielt vom koreanischen Verband eine Strafe von über 50.000 Euro aufgebrummt, weil er 30 Sexpuppen mit Werbung für einschlägige Websites auf den Rängen platzierte. Und der englische Premier-League-Club Leeds United musste einen Aufsteller von Osama bin Laden aus dem Stadion entfernen.

Kein Wunder, dass bei diesen Auswüchsen einige Spieler leere Ränge bevorzugen. Baseballspieler Sean Doolittle von den Washington Nationals stört sich aber schon an vergleichsweise kleinen Dingen: Beispielsweise, dass ihm Pappdoubles von George W. Bush und seiner Frau Nancy beim Spiel zusahen und die übrigen „Zuschauer“ auf ihn „wie eine Zombie-Armee“ wirkten. Die meisten Akteure sehen das anders. So hat es sich für Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose „sehr gut angefühlt, vor den Pappaufstellern im Stadion zu spielen.“

Die schlechte Nachricht für alle Fans: Aufsteller könnten noch einige Zeit die einzigen Besucher in den Stadien bleiben. Die gute: Es könnten echte Pappkameraden sein.

Bild: DS Smith