Der Niedlichkeits-Faktor

Der Niedlichkeits-Faktor

Will man diesen Augen nicht einfach alles erzählen? Wie dieser Wellpappen-Roboter zeigt, kommt es für die erfolgreiche Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen vor allem auf eines an: ein sympathisches Äußeres.

Sein Name: Boxie. Sein Job: die Menschen zum Reden bringen. Sein Erfinder: Alexander Reben. Der amerikanische Ingenieur, Künstler und Produktdesigner untersuchte in seiner Masterarbeit am renommierten Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), wie Roboter beschaffen sein müssen, damit Menschen gerne mit ihnen kommunizieren. Das Geheimnis liegt darin, den Roboter eben nicht wie eine Maschine wirken zu lassen, sondern so menschlich wie möglich. Denn wir neigen dazu, Dinge und sogar Computerprogramme zu vermenschlichen. Wie das in Zukunft aussehen könnte, ist im Film Her zu sehen. Dort verliebt sich der Protagonist in die Stimme seines Computers. Reben fragte sich: Welche Beziehung können wir zu einem kleinen Roboter mit der echten Stimme eines 7 Jahre alten Jungen aufbauen? Was würden wir ihm alles erzählen?

Reben merkte schnell, wie wichtig Boxies Aussehen dafür war, Menschen erfolgreich anzusprechen. Das optimale Design erinnert seiner Meinung nach an ein Robbenbaby: mit großen Augen, einem großen Kopf und einem kleinen Körper.

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Hauptsache niedlich! Ein Effekt, der sich auch mit Wellpappe erzielen lässt …

Niedlich musste er wirken, und keinesfalls bedrohlich rüberkommen, etwa als gruselige technisch-sterile Plastikerscheinung auf zwei Rädern. Darum entschied sich Reben für Wellpappe: Die wirkt im Gegensatz zu Plastik organisch, warm und – richtig gestaltet – sogar niedlich.

Die Tüftler vom MIT statteten Boxie noch mit einer Kamera und der Stimme eines Siebenjährigen aus. Dann gaben sie dem kleinen Roboter die Aufgabe, sobald er Körperwärme in seiner Nähe spürte automatisch eine Reihe von vorprogrammierten Fragen zu stellen. Und die meisten angesprochenen Passanten beantworteten sie bereitwillig! Auf Knopfdruck konnten die Interviewten sich immer neue Fragen oder Aufgaben stellen lassen. Aus Boxies Aufnahmen wurde eine lustige kleine Dokumentation:

Für die „Mensch-Maschinen-Symbiose“, wie Reben es nennt, brachte Boxies Körperbau übrigens noch einen weiteren Vorteil: Das geringe Gewicht der Wellpappe machte es Boxies Interviewpartnern leicht, ihn aufzuheben und herumzutragen. Einblicke in das technische Innenleben von Boxie, ein Bild von dem zunächst geplanten Plastik-Roboter und witzige Boxie-Anekdoten gibt es (auf Englisch) hier:

Weil Boxie so erfolgreich war, sollte die Geschichte fortgesetzt werden. Reben entwickelte die Idee weiter und schickte zusammen mit seinem Partner Brent Hoff die blabdroids los: Mini- Ausgaben von Boxie, die z. B. auf Festivals die Besucher ansprechen und die Antworten aufnehmen sollen.
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Die blabdroids: Dokumentarfilmer aus Wellpappe

Reben und Hoff wollen mit dem Material den ersten, komplett von Robotern gefilmten Dokumentations-Film erstellen. Sie sind überzeugt: Wenn einer die Menschen zum Reden bringen kann, dann diese niedlichen Gesprächspartner aus Wellpappe:

Bilder: Alexander Reben; ©Jenny Sturm/Fotolia.com

By | 2017-05-19T17:29:49+00:00 10.06.2015|Technik und Entwicklung|0 Kommentare

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Wellenreiter
Der Wellenreiter surft auf aktuellen Trends aus den Bereichen Kunst, Design oder Technik. Alles was er dazu braucht, sind sein Board und Geschichten von Menschen, die Ideen Wirklichkeit werden lassen – und seien sie noch so verrückt. Dass die kühnen Designentwürfe, atemberaubenden Events oder kreativen Höhenflüge alle etwas mit Wellpappe zu tun haben, versteht sich von selbst. Schließlich vertraut der Wellenreiter dem natürlichen und vielseitigen Material. Vielleicht hast Du ja auch eine Story, die der Wellenreiter erzählen sollte. Dann schick sie ihm einfach, er freut sich drauf!

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