Gebrauchte Versandkisten und gelesene Zeitungen sind Müll? Quatsch, die nackte Wahrheit ist viel spannender: Altpapier und Wellpappe sind wertvolle Rohstoffe für die Papierherstellung – und damit eine attraktive Beute für das organisierte Verbrechen. Das zeigt ein Blick in die Hauptstadt Spaniens. Dort hat jetzt die Madrider Guardia Civil einer Bande von Papier- und Pappendieben das Handwerk gelegt, die systematisch und mit großem körperlichen Einsatz Container leerte – und in den vergangenen fünf Jahren Altpapier im Wert von 16 Millionen Euro stahl.

Mehr als 67.000 Tonnen Altpapier und Wellpappenkisten hat die „Mafia del Cartón“ aus den städtischen Containern entwendet. Dazu schoben sich die kleinsten Bandenmitglieder durch die schmalen Einwurfschlitze, um das „Wertpapier“ herauszuholen. Auf diese Art konnte die Bande zeitweise fast die Hälfte des Madrider Altpapier- und Pappeaufkommens klauen. Verkauft wurde die heiße Ware an ein Unternehmen, das sie unter legal gesammeltes Papier mischte und so an Recyclingfirmen im Ausland verkaufte.

Doch an dem begehrten Material haben sich die Gauner nun verhoben – der Schaden war zu groß. Eine Madrider Sondereinheit für Umweltdelikte hat der Pappenmafia das Handwerk gelegt. Die „Ladrones de papel“, zu Deutsch: Papierdiebe, sind Geschichte – und die wertvollen Rohstoffe gelangen wieder legal in den Stoffkreislauf.

Bildnachweis: Guardia Civil, Madrid