Das Rad neu erfinden

Das Rad neu erfinden

Fahrradfahren ist ja an sich schon eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung. Aber der israelische Konstrukteur Izhar Gafni setzt noch eins drauf: Er hat ein Rad entwickelt, das den Namen Drahtesel nicht mehr verdient. Denn es hat einen strapazierfähigen Rahmen aus Wellpappe und stabile Speichen aus Altpapier. Vor Wind und Wetter wird es durch einen wasserfesten Lack aus biologischen Rohstoffen geschützt. Das alles soll, wenn es einmal auf dem Markt ist, nicht mehr als 50 Dollar kosten. So könnte das Öko-Vehikel der Zukunft aussehen.

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Blick in die Werkstatt: Über drei Jahre tüftelte Gafni an dem Rad, dass vollständig aus Recyclingmaterial besteht

Gafni, gelernter Computerfachmann hat eine Vision: In einer kleinen Werkstatt arbeitet er seit über drei Jahren an seinem „Cardboard-Bike“, ein Fahrrad komplett aus Papier und Wellpappe – einschließlich Bremsen, Laufräder und Kurbel. Zwar sind Keilriemen und Reifen aus Vollgummi, aber nicht mal eine Metallschraube benötigt das Rad. Die Leichtbauweise verbessert Gafni ständig: Hat der erste Prototyp noch stolze 26 Kilo gewogen, bringt die aktuelle Version nur noch 9 Kilo auf die Waage.

Der Israeli ist besessen von der Idee, aus gebrauchten Materialen der westlichen Wohlstandsgesellschaft ein Fahrzeug herzustellen, das in allen Teilen der Welt die Fortbewegung verändern könnte. Bei dem geplanten Abgabepreis von etwa 37 Euro ist das nicht undenkbar. „Es ist aufregend, Nützliches zu gestalten“, sagt Gafni. Die mit seinem Partner Nimrod Elmish gegründete Firma „Cardboard Technologies“ verfolgt eine Unternehmensphilosophie, die Business, Ökologie und soziales Handeln miteinander verbindet. Das notwendige Kapital für die Serienproduktion wollten sich die Start-up-Gründer zurzeit über Crowdfunding beschaffen. „Jeder, der bei uns mitmacht“, verkündet das Unternehmen, „ist Teil der nächsten grünen Revolution.“

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Leicht, wetterfest und stabil: Das „Cardboard-Bike“ widersteht Nässe und trägt locker einen 125-Kilo-Fahrer

Das Produkt überzeugt jedenfalls in der Praxis. Es ist umweltverträglich, kostengünstig und alltagstauglich. Dank einer Falttechnik, an der Gafni eineinhalb Jahre herumprobiert hat, trägt das Rad einen Fahrer mit bis zu 125 Kilo. Für den wird es allerdings unbequem. Selbst für Normalgewichtige ist die Fahrt auf den Hartgummireifen zunächst gewöhnungsbedürftig – das gibt selbst der Erfinder zu.

By | 2017-05-19T17:29:53+00:00 21.11.2013|Technik und Entwicklung|0 Kommentare

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