Aufgeben oder aufgeben?

Aufgeben oder aufgeben?

Paketdienstleister haben Paketempfängern das Leben in den vergangenen Jahren immer ein Stückchen leichter gemacht. Solange man sein Paket nicht zurücksenden möchte, ist der Service perfekt.

Das Wunschzeitfenster für die Zustellung, die Möglichkeit, den Nachbarn anzugeben, bei dem eine Lieferung abgegeben werden soll, wenn man nicht Hause ist – beim Paketempfang ist der Kunde heute König. In Zusammenarbeit mit ersten Arbeitgebern werden gerade sogar auf Fabrikgeländen Packstationen in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz errichtet. So müssen Pförtner und Empfangsdamen nicht mehr täglich die Online-Bestellungen ganzer Belegschaften entgegennehmen. Da gibt es dann Fächer in verschiedenen Größen. Denn gerade beim Kauf von Kleidung bei Zalando & Co. bestellt der Online-Shopper gern ein paar Teile oder Größen mehr. Und die werden idealerweise in einem Paket geliefert, dass in seinen Maßen dem Inhalt angepasst ist, so dass im Zweifel nur eine Lieferung nötig ist. Flexible Versandkartons aus Wellpappe sind hier Trumpf.

Hat man keine Packstation vor der Bürotür, gibt es in ausgewählten Filialen des deutschen Marktführers im Paketversand seit einiger Zeit die Möglichkeit, die gerade im Dezember endlosen Schalterschlangen zu umgehen und eine Paketbox zur Aufgabe der Retoure zu nutzen. „Endlich mehr Flexibilität in der Mittagspause“, denkt sich der Großstädter, der hofft, sich nun nicht länger schon um 11:00 Uhr auf den Weg machen zu müssen, um sein Päckchen in einigermaßen vertretbarer Zeit loszuwerden.

Aber anders als der Versandkarton kennt die Paketbox scheinbar nur eine Größe: die andere. Das merkt man allerdings nicht sofort. Das erste unwillige Piepsen der Maschine nach Einscannen und Einlegen des Pakets verbucht man noch mit leichtem Augenrollen als technischen Fehler, der eben schon einmal vorkommen kann. Also noch mal von vorn: Paket wieder entnehmen, Barcodes scannen, einlegen, Tür schließen … Kaum ist der Rolladen geschlossen: Piepsen, Fehlermeldung. Vorsichtig dreht man sich um, doch der mitleidsuchende Blick wird von der nun auch vor dem Paketautomaten immer größer werdenden Schlange kalt erwidert, vielleicht gibt es noch ein „bei mir klappt das immer.“

Es regen sich erste Zweifel an der eigenen Technikkompetenz – habe ich vielleicht doch vergessen zu scannen? Es hilft nichts: Tür wieder hochziehen, Paket entnehmen, das Ganze noch einmal von vorn. Hilfsbereit zeigt das Display der Maschine an: „Aufgeben der Sendung fehlgeschlagen.“ Nichts da, Aufgeben ist noch mindestens drei Versuche entfernt, das muss doch klappen! Doch nach weiteren peinlichen zehn Minuten dämmert’s dem sich nun gar nicht mehr königlich fühlenden Kunden: Die Zeit ist gekommen, um aufzugeben. Das Paket. Am Schalter.

Bild: Deutsche Post AG

By | 2017-03-24T11:08:00+00:00 22.12.2016|Wellenspitzen|0 Kommentare

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Wellenreiter
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