Alles Fassade? Wie eine Stadt aus Wellpappe Lebenswelten zusammenbringt

Alles Fassade? Wie eine Stadt aus Wellpappe Lebenswelten zusammenbringt

Wenn Ana Serrano durch die Straßen von Los Angeles fährt, fallen ihr andere Dinge auf als den meisten Menschen. Heruntergekommene, mit frischer Farbe schnell aufgehübschte Häuserfassaden, selbst gebastelte Schriftzüge für ständig wechselnde Geschäfte oder mit Gitterstäben gesicherte Klimaanlagen – für die mexikanisch-amerikanische Künstlerin waren das unter anderem Inspirationen für eine beinahe lebensgroße Stadt aus Wellpappe.

Gebäude und Architektur haben Serrano schon immer interessiert, ebenso wie alles Selbstgemachte. Das zeigt sich auch in ihrer Kunst: 2008 stilisierte sie mit einer großformatigen Installation aus Wellpappe die „spontane Architektur“, die man zum Beispiel in den Favelas von Rio de Janeiro findet. Wie hier scheint auch in Serranos „Cartonlandia“ ein Haus einfach schnell auf das andere gebaut worden zu sein. Für die Installation verwendete sie Wellpappe, denn es kam nur ein leichtes und stabiles Material in Frage.

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Ein bunter Berg aus Häusern, erbaut aus Wellpappe: „Cartonlandia“

Außerdem eignet sich Wellpappe hervorragend, um die Inhalte ihrer Arbeit zu transportieren: Serrano beschäftigt sich häufig mit der Lebensrealität von Immigranten. Angekommen in einer fremden Kultur bauen sie sich oft eine zweite, viel buntere Welt auf.

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Künstlerin und bunt bemalte Wellpappe in Aktion

Im Auftrag der Rice Universität in Houston, Texas, entwickelte sie 2011 eine Ausstellung, die ihre Eindrücke aus verschiedenen, meist hispanischen Wohngegenden Los Angeles‘ in einer beinahe lebensgroßen Nachbarschaft aus Wellpappe zusammenbrachte. Installiert wurde sie in der universitätseigenen Galerie und brachte so Lebenswelten der amerikanischen Westküste an den Golf von Mexiko.

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Eine Straße aus Wellpappe in der Ausstellung „Salon of Beauty“

Der Titel, „Salon of Beauty“, ist die wörtliche Übersetzung des spanischen „Salón de Belleza“ – eigentlich würde man im Englischen „Beauty Salon“ sagen. Weil der Name des Schönheitssalons aber genauso untraditionell ist wie die liebevollen Eigenbauten, die Serrano auf ihren Touren durch Los Angeles inspirieren, entschied sich die Künstlerin dafür. Welche Eindrücke außerdem in die Installation einflossen, kann man in diesem Video gut sehen:

Mit Ausnahme des hölzernen Rahmens der Gebäude und einigen hölzernen Dübeln waren die Exponate der „Salon of Beauty“-Ausstellung ausschließlich aus bemalter Wellpappe – einschließlich der Topfpflanzen oder dem Zuckerguss auf den Hochzeitstorten in der Bäckerei der kleinen Welt. Diese Fotodokumentation der dreißig Tage, in denen Serrano nach monatelangen Vorbereitungen in Los Angeles die Installation in Houston aufbaute, zeigt noch einmal Schritt für Schritt, wie aus dem Packmaterial (fast) lebensgroße Kunst wurde.

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Ana Serranos „Salon of Beauty“ – eine eigene kleine Welt …

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… mit unzähligen Details, die sie mit Wellpappe …

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… nachbaute oder neu interpretierte

Durch weitere interessante Arbeiten von Serrano kann man sich hier klicken.
Bilder: Julie Klima; Nash Baker

 

 

 

By | 2017-05-19T17:29:53+00:00 11.08.2014|Kunst und Design|0 Kommentare

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